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Medien

„Kirche in der Hosentasche“
- 30.03.2017

Foto: dpa/ picture-alliance
Foto: dpa/ picture-alliance

Warum Kirche im #Neuland nicht nur mitgehen, sondern vorangehen sollte

(explizit.net) „Die schönste kirchliche Medienarbeit nützt nichts, wenn sie keiner sieht“. Mit diesen Worten beschrieb Professor Dr. Matthias Sellmann von der Ruhr-Uni Bochum bei der Tagung Kirche im Web 2017 die Herausforderung kirchlicher Kommunikation. Kirche dürfe im #Neuland nicht schweigen! Doch um dies zu erreichen müsse Kirche die Komfortzone verlassen und ruhig auch mal laut sein, so Prof. Sellmann. Dafür gibt es gute Ansätze, aber auch noch viel zu tun, wie #kiw17 zeigte. Hier ein paar Impulse und Denkanstöße aus Münster.

Prof. Sellmann - Foto: CS
Prof. Sellmann - Foto: Schnaubelt

„Von Hauptsache drin“ zur „Kommunikation der Zukunft“

Im Jahr 2008 fand die erste Tagung „Kirche im Web“ statt. Damals ging es primär darum, als Kirchen überhaupt im Internet und danach auch in den Social Media präsent zu sein. Bei den späteren Tagungen in Münster und Stuttgart setze sich die kirchlichen „Internetworker“ dafür ein, dass Geld und auch Personal für die kirchliche Onlinearbeit zur Verfügung gestellt wird und diese Arbeit auch anerkannt wurde. In Gemeinden, Pfarreien, Bistümern und Hilfswerken wurde Pionierarbeit geleistet.

Die Tagung am 23./24. März 2017 in Münster zeigte nun, dass das Problem der Ressourcen und der Ankerkennung (größtenteils) überwunden ist. Heute begrenzen vor allem knappe Zeit-Ressourcen die Arbeit. Bei der Frage nach Rolle der Online-Kommunikation wurde bei #kiw17 deutlich: Mit Mut können Web und Social Media einen wichtigen Beitrag zur kirchlichen Kommunikation der Zukunft leisten. Denn alle Smartphone-Nutzer haben ja bereits die „Kirche in der Hosentasche“ dabei.

„Raus aus der Rolle des Meckerapostels am Zaun“

„Kirche ist – dummerweise – so unglaublich erwartbar“, betonte Prof. Dr. Matthias Sellmann vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) der Ruhr-Universität Bochum. Unter der Fragestellung: „Was fehlt, wenn die Kirchen schweigen?“ appellierte Sellmann dafür, dass kirchliche Kommunikation einer „inneren Sinngebung“ folgen müsse. Dafür sei es zu zunächst wichtig, dass Kirche „raus aus der Komfortzone“ und „raus aus selbstgewählten Rolle des Meckerapostels am Zaun“ komme.

Kirche dürfe nicht nur an Feiertagen etwas zu sagen haben und im Sinne von Papst Franziskus Vision einer barmherzigen Kirche müsse gelten: „Anspruchsvolle Unterhaltung ist ein Werk der Barmherzigkeit.“ Und dazu dürfe kirchliche Kommunikation ruhig auch mal laut sein, so Professor Sellmann: „Kirche braucht freiheitliches Reden und darf nicht schweigen.“
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„Nicht die Kirche, sondern die Christen stark machen“
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Kirche dürfe sich ferner nicht in die „echo chambers“ zurückziehen, sondern müsse bereit sein, „modernes Leben dynamisch religiös zu deuten“, betonte Prof. Sellmann in seinen „15 Richtungsvorschlägen für eine christlich inspirierte Glaubenskommunikation.“ Dabei gehe es weniger darum Glaubenswissen zu vermehren und viel über Kirche zu sagen, sondern vielmehr „glaubenden Menschen eine Bühne zu bieten“ und „mit hoher religiöser Qualität zu unterhalten“. Für Prof. Sellmann sollte Kommunikation der Zukunft daher heißen: „Nicht die Kirche, sondern die Christen stark zu machen“.

Kommunikation der Zukunft: „Nicht nur mitgehen, sondern vorangehen“

In den Workshops und Diskussionen der Tagung #kiw17 wurde zudem deutlich, „dass Kirche raus aus der Filterblase und rein in einen wahrhaften Dialog mit den Usern kommen muss.“ Michael Unland, Geschäftsführer des Catholic Media Council (CAMECO) aus Aachen, referierte, dass für eine zukunftsfähige Präsenz von Kirche im virtuellen „Weinberg“ vor allem Interaktivität und Dialogbereitschaft wichtig sein werden. „Kirche muss seine Response-Fähigkeit erhöhen“ und bereit sein, Geschichten zu erzählen (Storytelling) und den Usern einen echten Rückkanal anzubieten. Für Unland bedeutet Kommunikation der Zukunft: „Kirche müssen nicht nur mitzugehen, sondern vorangehen.“

Rückblick und Ausblick

Für den Autor dieses Artikels scheint der Aufruf von Papst Franziskus dorthin zu gehen, wo die Menschen sind – auch an die Ränder der Gesellschaft – auch für die kirchliche Kommunikation eine gute Vision für die Zukunft. Gerade in einer Zeit, in der Algorithmen von Google und Facebook sowie Bots entscheiden, was und wie wir kommunizieren, braucht es eine wertorientierte Kommunikation der Kirche, welche sich nicht vom #Neuland abwendet, sondern bereit ist, aktiv als Player dabei zu sein.

Wer sich mehr für die technischen Entwicklungen und Ideen aus der Tagung Kirche im Web 2017 interessiert, dem sei auch folgender explizit.net-Artikel empfohlen:
 http://www.explizit.net/Medien2/Online-first-Innovationen-kirchlicher-Medienarbeit.

Und hier geht es zum #kiw17-Rückblick der Akademie Franz Hitze Haus in Münster:

https://www.franz-hitze-haus.de/news-detail/studientagung-23-24-maerz-2017/2f78b54052bbf59f199e33b65877de97/.
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Christian Schnaubelt
(Ressortleiter Medien)
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P.S.: Die Tagung Kirche im Web 2018 (#kiw18) wird am 15./16. März 2018 in Stuttgart stattfinden.

Autor des Artikels

Schnaubelt, Christian

Schnaubelt, Christian

Mehr über den Autor erfahren Sie hier.

Schnaubelt, Christian

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