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Abgesang auf den Dollar- 09.03.2017

Abgesang auf den Dollar
Foto: messomx; Pixabay

Die USA sind mit ihren Kriegsschiffen auf allen Meeren präsent. Noch mehr haben sie die Kontinente mit ihrer Währung besetzt. Ein Großteil der Handelsgüter wird in Dollar abgerechnet. Viele Staaten geben Anleihen nicht in der Landeswährung aus, sondern in Dollar. Zugleich häuft Washington durch jährliche Haushaltsdefizite von um die 700 Milliarden Dollar in den letzten Jahren  einen Schuldenberg von über 18 Billion Dollar an. Zudem importiert das Land mehr als es exportiert. Dieses labile Gleichgewicht verlangt einen klugen Steuermann.

Auch die Handelsschiffe auf den Weltmeeren sind sozusagen mit Dollar unterwegs, weil nicht nur der Treibstoff, sondern auch die geladenen Güter ihren Gegenwert in Dollar ausweisen. Das Vertrauen in den Dollar scheint ungebrochen. Ist das noch gerechtfertigt? Je länger Trump im Amt ist, desto mehr ziehen sich die USA aus dem Welthandel auf ihren Binnenmarkt zurück. Dann nutzen die Flottenverbände auf den Weltmeeren nicht mehr, denn sie haben nur Schlagkraft, wenn der Dollar als Leitwährung anerkannt bleibt. Der Vergleich mit dem Euro kann es verdeutlichen. Mit dem Euro können die Staaten, die ihre eigene Währung durch den Euro ersetzt haben, auf einer berechenbaren Basis Güter austauschen. Wenn die Eurozone auseinander bricht, zerfällt die gemeinsame Grundlage. Die Länder müssen wieder in ihren Währungen Preise aushandeln. Oder sie greifen auf den Dollar zurück. Wenn das Vertrauen in den Dollar auch zusammenbricht, wird der internationale Handel sehr viel schwieriger, es sei denn, der Renmimbi tritt an die Stelle des Dollars.

Die USA können beliebig viele Dollars drucken

So lange der Dollar die Verrechnungsgrundlage der Weltwirtschaft bleibt, können die USA in dem Maße, wie die Weltwirtschaft wächst, Dollars drucken und damit bezahlen. Da viele Länder staatliche Anleihen nicht in ihrer Landeswährung, sondern in Dollar ausgeben, wächst das Dollarvolumen noch einmal beträchtlich. Grund dafür, Schuldverschreibungen nicht in der Landeswährung auszugeben, ist immer noch die Verlässlichkeit des Dollar. Die Papiere in Dollar können mit geringen Zinsversprechen verkauft werden. Das System funktioniert aber nur so lange, wie das Inflationsrisiko für den Dollar geringer eingeschätzt wird als das der Landeswährungen. Gerät der Dollar unter Inflationsdruck, werden die Länder ihre in Dollar ausgegebenen Währungen in andere umtauschen. Dann wird das Geld in Schweizer Franken, und wenn die Eurozone funktioniert, in Euro angelegt. Die chinesische Währung müsste dafür noch aus der staatlichen Lenkung befreit werden. Da Trump die Verschuldung weiter treiben wird und nicht auf höhere Exporterlöse setzt, kann er eine weltweite Krise auslösen. Dass er dazu in der Lage ist, bezweifeln nur seine Anhänger noch nicht.

Trump spielt China in die Hände

Die USA steht gegenüber China in einem enormen Handelsdefizit. Von den Jährlich etwa 700 Milliarden des Defizits entfällt etwa die Hälfte auf China. Da Trump zuzutrauen ist, dass er auch das Vertrauen in den Dollar ruiniert, muss China nur warten. Es wird dann auf die kluge Politik Chinas ankommen, ob der internationale Handel die Abdankung des Dollars als internationalem Verrechnungsstandard ohne allzu große Krise übersteht. Dass China eine weltweit bestimmende Großmacht werden will, ist seit Jahren zu beobachten. Da es sich anders als die USA für den internationalen Handel entschieden hat und bereits auf vielen Märkten präsent ist, wird es die Umstellung auf den Renmimbi vollziehen können. Um Währungsturbulenzen zu verhindern, ist es unerlässlich, dass China für die Übergangszeit den Wechselkurs gegenüber dem Dollar stabil hält. Dann werden die USA wegen der hohen Dollarreserven Chinas von der neuen Supermacht wirtschaftlich abhängig.

Die Kriege der USA

Die wirtschaftliche Schwäche der USA ist wesentlich durch die Kriege bedingt, die die größte Militärmacht zwar nicht militärisch, aber sicherheitspolitisch verloren hat. Die Antwort ist das Gewaltpotential der islamistischen Kämpfer. Die Milliarden, die die Eindämmung der Jihadisten kostet, sind nicht zuletzt durch die militärischen Interventionen der USA notwendig geworden. Denn der Islam fühlt sich, nicht zuletzt von den USA, angegriffen und damit im Krieg mit dem Westen. Gäbe es nicht den Konfessionskrieg zwischen Schiiten und Sunniten, hätten die USA, Europa wie auch Russland die geballte Kraft von Freiheitskämpfern gegen sich, die mit militärischen Mitteln allein nicht zu besiegen sind. Weder Obama, noch Putin, noch der EU ist es gelungen, mit einem überzeugenden politischen Konzept  die Region zu befrieden. Vielmehr hat der Jihad inzwischen auch neben dem Kaukasus die zentralasiatischen Länder erfasst. Dass Trump in der Lage wäre, hier einen Neuanfang in Gang zu setzen, dürfte äußerst unwahrscheinlich sein. Je mehr er sich durch seine Polemiken Gegner im eigenen Land aufbaut, desto weniger sind die USA in der Lage, den Schaden, den sie unter dem Republikaner Bush angerichtet haben, wieder in eine aufbauende Politik zu verwandeln. Obama ist bereits daran gescheitert.

Mit der Abdankung des Dollars rechnen

Je mehr sich die USA von innen her schwächen, je länger sie ihr Handelsdefizit weiter wachsen lassen, je mehr sie durch Abschottung ihre Konkurrenzfähigkeit einbüßen, desto eher wird das Vertrauen in den Dollar abnehmen. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem ein anderes, weltweit funktionierendes Zahlungssystem eingeführt werden muss. Es muss nicht die chinesische Währung an die Stelle des Dollars treten. Es könnten auch Währungsregionen entstehen, so dass neben dem Dollar und dem Franken der Euro, der Rubel, die Rupie und sogar eine gemeinsame Währung afrikanischer Staaten ohne zu große Schwankungen den Handel garantieren. 

Autor des Artikels

Dr. Eckhard Bieger SJ

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