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Der Tag des „Demos“ in Moskau- 06.02.2012
Foto: dpa
Es ist fraglos der Tag des „Demos“ in Moskau, der Tag, der den Bürgern Russlands gehört. Am 4. Februar 2012 versammelten sich hunderttausende Demonstranten in Moskau. Hört man solch eine Meldung, dann denkt man zunächst sofort an die „Putin-Gegner“, doch da würde man sich täuschen. Denn die weitaus größere Demonstration an diesem Tag wurde, zur Überraschung im In- und Ausland, von den Putin-Befürwortern gestellt. Eine Demo-Nachlese von Johannes Auer.
Es war die Überraschung des Tages: trotz klirrender Kälte versammelten sich hunderttausende Demonstranten in Moskau aus den unterschiedlichsten Motiven. Die einen, um ihrem Unmut über die herrschende Elite auszudrücken, die anderen, um der Person Vladimir Putins ihre Unterstützung zu versichern. Bei letzterer Demonstration wurden in etwa 14.000 Demonstranten erwartet, doch schließlich waren es in etwa 140.000. Erneut zeigt sich, dass viele westliche Medien bestenfalls einem Denkfehler, wenn nicht gar Wunschdenken zu erliegen scheinen, wenn es um den Unmut in Russland geht. Der Tenor bei der Pro-Putin-Kundgebung war denn auch, dass das russische Volk „Stabilität“ und „Sicherheit“ brauche. Vielen scheinen noch die 1990er Jahre in Erinnerung, die der Elite fette Jahre bescherten, die aber viele Bürger mit Raub am Land in Verbindung bringen. Die Stabilität und der wirtschaftliche Aufschwung, besonders der ersten Amtszeit Putins, ist vielen im Gedächtnis geblieben und es ist eben diese Stabilität, die für viele Vorrang hat.
Auf der Seite der Putin-Gegner versammelten sich, laut den Behörden, in etwa 36.000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen hingegen von 100.000. Dabei war das einzige, was diese Demonstranten einte, einmal mehr die Gegnerschaft zu Putin. Von ganz links bis ganz rechts versammelten sich die unterschiedlichsten Demonstranten. Die Problematik dabei einmal mehr: man hat keine gemeinsame politische Agenda, man hat weder ein Programm, geschweige denn eine Führungsfigur. Von vielen Beobachtern wird daher die „Revolte“ der Putin-Gegner als „SUV-Revolte“ bezeichnet, in Anspielung an das Nobelautomobil, will heißen, dass eine urbane „Mittelschicht“ hier gegen „etwas“ revoltiert, diese Revolte aber schlicht in vielen Teilen keinen Tiefgang zeigt, wenn auch ein echter Unmut dem Ganzen zu Grunde liegen mag.
Den Pro-Putin-Demonstranten, die sich u. a. aus den Afghanistan-Veteranen, den Rentnerverbänden und der Partei „Russlands Patrioten“ zusammensetzten, sind die sogenannten „Revolutionen“ in der Ukraine und Georgien im Hinterkopf. Besonders jene in der Ukraine erwies sich als, vorsichtig ausgedrückt, wenig nachhaltig. Und die Putin-Befürworter wissen, wofür sie demonstrieren und sie wissen, warum sie für Putin stehen. Eine Einheit, von der die Anti-Putin-Demonstranten derzeit nur träumen können.
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