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Das Geschäft mit der Freundschaft- 09.02.2012

Das Geschäft mit der Freundschaft
Foto: dpa

Facebook's anstehender Börsengang

Aus dem einstigen Projekt einiger Studenten der Harvard University wurde innerhalb kürzester Zeit ein Unternehmen, welches eine wohl mustergültige Entwicklung darlegte. Wirtschaftlich gesehen ist es lediglich eine logische Konsequenz, dass ein immer populärer und größer werdendes Unternehmen irgendwann den Schritt aufs Parkett wagt. Allerdings wäre Facebook das erste Unternehmen an der Börse, dessen Kapital fast ausschließlich auf den Informationen basiert, die es von seinen Nutzern bereitgestellt bekommt. Der Wert des Unternehmens, beziehungsweise dieser Daten, wird von Experten auf 80-100 Milliarden Dollar taxiert. Der Börsengang von Facebook wäre somit der größte, den die IT-Branche je gesehen hat.

Vor rund einer Woche veröffentlichte Facebook sein Börsenprospekt und hat damit den ersten Schritt hinsichtlich des für April bis Juni angesetzten Gang an die Börse getätigt. Anfangs wurde damit gerechnet, dass Aktien im Umfang von etwa 10 Milliarden Dollar auf den Markt kommen. Dieser Wert wurde im Nachhinein allerdings auf 5 Milliarden Dollar korrigiert. 5 Milliarden Dollar wären allerdings immer noch eine historische Summe für ein Internetunternehmen. Der Suchmaschinenriese Google beispielsweise setzte im Jahr 2004 mit einem IPO (initial public offering) von 1,9 Milliarden Dollar schon Maßstäbe.

Was kaufen die Aktionäre?

Wer Aktien von Microsoft kauft, kann auf Rendite hoffen, weil Microsoft seine Office-Software verkauft. Google bringt auch eigene Leistungen, indem das Unternehmen die Internetseiten zu bestimmten Themen zusammenstellt und in Sekundenschnelle einen Überblick liefert. Facebook stellt nur Software zur Verfügung. Alle anderen Leistungen erbringen die Nutzer. Sie verweisen auf andere Informationen bzw. erzählen, was ihnen wichtig ist. Eigentlich „verkaufen“ die bei Facebook aktiven „Freunde“ ihre Text- und Fotoeinträge sowie die Hinweise auf andere Informationen, aber es verdient nur Zuckerberg. Die „Freunde und Freundinnen“ von Mark Zuckerberg sind sehr großzügig oder sie sind wie in Staatswirtschaften Arbeitssklaven eines Monopolisten. Unter kapitalistischen Prämissen ist Zuckerbergs Börsengang die Spitzenleistung an Verführungskunst. 800.000 Millionen arbeiten für ihn. Wenn sie ordentlich beteiligt würden, würden sie Shareholder des Unternehmens, jeder mit einer Aktie im Wert von 125 $.

Der Datenschutz wird dem Interesse der Aktionäre geopfert

Um die Investoren nun dauerhaft zufrieden stellen zu können, muss Facebook allerdings weiterhin wachsen. In dem Netzwerk haben sich zwar allein im letzten Jahr rund 345 Millionen neue Nutzer registriert, ein Wachstum aber nur aus steigenden Benutzerzahlen her zu verstehen, wäre wohl zum Scheitern verurteilt. Auch bleibt der chinesische Markt, welcher ein enormes Potential bietet, für Facebook verschlossen, da das Netzwerk in China zensiert ist.  Die vor kurzem vorgestellte und demnächst verpflichtende Chronik, war wohl erst ein erster von vielen Schachzügen, um dem Unternehmen zu weiterem Wachstum auf anderem Wege zu verhelfen.

Unter dem Druck der Aktionäre könnte eine Optimierung des Netzwerks allerdings zulasten der Nutzer beziehungsweise des Datenschutzes stattfinden. Auch der Datenschutzbeauftrage der Stadt Hamburg, Johannes Caspar, welcher für das Netzwerk zuständig ist, zeigt Besorgnis: „Es steht zu befürchten, dass der Fokus in Zukunft auf Gewinnmaximierung gerichtet wird.“ Facebook Gründer Mark Zuckerberg allerdings, sieht sich  immer noch auf einer sozialen Mission: „Einfach gesagt: Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.“

Auf dieser Mission wird ihm und seinen Mitarbeitern gewiss noch das ein oder andere Feature einfallen, um noch mehr persönliche Daten der Nutzer zu erhalten. Schließlich wäre das Netzwerk als börsennotiertes Unternehmen noch abhängiger von den freiwillig bereitgestellten Daten seiner Nutzer, als zuvor.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Facebook hinsichtlich des Datenschutzes noch stärker in der Pflicht. Als ein an der Börse notiertes Unternehmen müsse Facebook „umso mehr den Anspruch erfüllen, sich an Recht und Gesetz zu halten – und zwar nicht nur in den USA, sondern auch auf wichtigen Auslandsmärkten wie Deutschland“,  erklärte sie am Donnerstag letzter Woche. 

Toumi Hamadi

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